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Boden aus Österreich mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten

Madwood - ein objekttauglicher Steinholzboden

Mit einer ganz besonderen Neuentwicklung hat sich der Tischlermeister Johannes Müller-Hartburg ins Gespräch gebracht: Madwood - ein Steinholzboden, der dem Endverbraucher viel künstlerische Freiheit bei der Gestaltung des Bodens lassen soll. Dabei sind die physikalischen Eigenschaften ähnlich eines Hirnholzpflasters - das Madwood-Steinholz eignet sich nach Herstellerangaben also auch für den Objektbereich.

Es gibt noch wirklich neue Produkte. Und oft kommen sie sozusagen aus dem Nichts: Allein, ohne besondere Beachtung und "Entwicklungshilfe", arbeitete der Tischlermeister Johannes Müller-Hartburg in Untertullnerbach bei Wien an einem neuartigen Fußbodensystem. Als es produktionsreif war und Anfang 2004 auf der Texbo in Salzburg vorgestellt wurde, war es eine kleine Sensation und schnell in vieler Munde: Madwood.

Der Name Madwood bezieht sich auf einen Boden, der entweder aus fertigen Elementen verlegt oder an Ort und Stelle gegossen wird. Die Elemente können schlichten Tafelcharakter haben oder - als Verbundelemente mit Holzrahmen und dekorativen Mustern aus Holz - wie Tafelparkett wirken. Die Leerräume innerhalb des Rahmens bzw. zwischen dem Parkettmuster werden jeweils mit einer Spezialmasse ausgefüllt. Deren Materialeigenschaften sowie die gestalterische Flexibilität, die jede "Verrücktheit" zulässt, machen Madwood einzigartig. Darüber hinaus ist die Bezeichnung Madwood auch Ausdruck des Enthusiasmus, den Johannes Müller-Hartburg veranlasste, in absolutes Neuland zu investieren. Heute ist ein Entwicklungsstand erreicht, der "festen Boden unter den Füßen" verheißt - nur: "Die Produktion müsste auf eine wirtschaftlich potentere Basis gestellt und deshalb auf breitere Schultern gelegt werden können", sinnt Müller-Hartburg über Möglichkeiten nach, die Kapazitätsgrenzen zu überwinden.

Forschung und Entwicklung aus Leidenschaft

Madwood ist das Ergebnis zäher wissenschaftlicher und praktischer Arbeit. Dennoch stecken in dem Produkt auch eine gute Portion künstlerischer Ambitionen und Möglichkeiten. Johannes Müller-Hartburg fertigt aus Steinholz in Verbindung mit verschiedenen Materialien wie Wurzelholz, Stammscheiben, Schnitten aus Schwemmholz oder Korallen auch Licht- und Kunstobjekte. Kreative Architekten und Bauherren beginnen, das Potenzial zu erkennen und zu nutzen, das in Madwood steckt, so der Hersteller.

Die Steinholz-Grundmasse für Madwood basiert auf der alten Entdeckung des Sorelzements, der aus einer Verbindung mineralischer Stoffe mit Salzwasser entsteht. Johannes Müller-Hartburg griff das Prinzip des Sorelzements auf und begann zu experimentieren - mit dem Ziel, ihn so aufzubereiten, dass er eine dekorative, leicht zu verarbeitende Masse für abriebfeste, äußerst strapazierfähige Fußböden - optisch der Terrazzo-Technik, physikalisch dem Holzpflaster vergleichbar - ergab.

Versuche mit vielen mineralischen und organischen Zuschlagstoffen (gemahlenem Stein, Holzmehl und Spänen, Kork und Nussschalen u.a.) begannen. Diese Zuschlagstoffe sind erforderlich, um eine möglichst große Farbenvielfalt zu erreichen und unterschiedliche Texturen "komponieren" zu können. Außerdem werden über die Auswahl und Komposition der Zuschlagstoffe die physikalischen Eigenschaften des Materials bestimmt. Mit Korkbestandteilen ist es beispielsweise besonders fußwarm.

Madwood Bau und Projekte GmbH
Eine kleine Auswahl an Madwood-Steinholzparkett - teils Verbundelemente für, teils künstlerisch gestaltete Solitäre.
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Mit dem Madwood-Musterkoffer präsentiert Johannes Müller-Hartburg Steinholztafeln in vielen verschiedenen Farben.
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Theorie und Praxis, Forschung und Entwicklung, Computer und Produktion stehen immer dicht nebeneinander.

Positiv ist, dass alle Mischungen ohne jeglichen Zusatz von synthetischen Bindemitteln oder Klebern kristallin aushärten, hob Müller-Hartburg hervor. Es entsteht ein untrennbar homogenes und äußerst belastbares Material aus rein natürlichen Rohstoffen. Aber für eine Serienherstellung war es erforderlich, alles qualitativ und quantitativ exakt zu determinieren. Das galt für die Zuschlagstoffe und die Rezeptur ebenso wie für die Produktionsbedingungen. Alle chemischen und physikalischen Parameter mussten sicher wiederholbar und gleichzeitig steuerbar sein, um die Qualität durchgängig und dauerhaft gewährleisten zu können und um bei Bedarf die Textur verändern und die bauphysikalischen Eigenschaften (z.B. die Wärmeleitfähigkeit) beeinflussen zu können.

Um das sensible System aus Dosierungen und Klimabedingungen zu entwickeln, verbrachte Johannes Müller-Hartburg seine Freizeit mit wissenschaftlicher Forschung und Entwicklung - teils am Rechner, teils in einer kleinen "Experimentierküche". Während er gleichzeitig seinem Beruf als Tischlermeister und Designer nachging, entstanden nach und nach die Rezepturen für Madwood.

Verschiedene Sortierungen

Ein Madwood-Boden gibt es als:
- Steinholzparkett, bei dem die fertig mit Öl oberflächenbehandelten 335 x 335 mm großen und 13 mm dicken Tafeln aus einer Laubholz-Rahmenkonstruktion bestehen, die mit der Steinholzmasse ausgegossen wird. Darüber hinaus gibt es die aufwändigere Möglichkeit, Tafeln mit beliebigen Parkettmustern herzustellen.
- Steinholz-Vorortverguss. Dies ist ein besonders anspruchsvolles Verfahren. Bevor die Fläche ausgegossen wird, können vorverlegte Holzraster bzw. individuell gestaltete Muster und Ornamente (z.B. Logos) eingearbeitet werden. Ferner ist die Kombination von Verbundplatten (Steinholzparkett) und gegossener Fläche möglich. Insgesamt bieten unterschiedliche Farben und Effekte, Holzarten und Dekorelemente viel gestalterischen Spielraum. Die Verlegung muss durch speziell geschulte Verleger erfolgen, die das Steinholz in Pulverform vor Ort anrühren und verarbeiten. Bis zur Aushärtung vergehen 14 bis 24 Stunden. Danach ist das Material schleifbar und kann geölt werden.

Eine weitere Möglichkeit des Vorortvergusses besteht darin, die Steinholzmasse großflächig ohne Muster zu gießen, wobei dann die Wirkung allein von der Farbe und den optischen Effekten der jeweiligen Zuschlagstoffe (Stein, Holz, Kork) ausgeht.
- Steinholztafeln, die in bestimmten Formaten gegossen werden, 13 mm dick sind und auf festem Untergrund vollflächig verklebt und verfugt werden.
Die physikalischen Eigenschaften des Madwood-Steinholzes ähneln denen von Hirnholzpflaster. Steinholz ist nach Herstellerangaben jedoch noch strapazierfähiger. Der Material-Steckbrief: Brinellhärte durchschnittlich 82,8 N/mm2 (zum Vergleich: Eiche-Hirnholz (Eichenholz "quer zur Faser") = 50 - 65 N/mm2); Abrieb durchschnittlich nach 100 U = 0,026, nach 200 U = 0,044 mm (Eiche-Hirnholz = 0,048 mm). Brandbeständigkeit = V 0 (nicht brennbar).
Lösungen für die Oberflächenbehandlung werden in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Hersteller Natural entwickelt. Steinholz ist von Natur aus strapazierfähig. Die Oberflächenbehandlung dient also weniger dem Schutz als der Pflegeleichtigkeit. Es kommen nur Öl-Systeme in Betracht. Dabei sind einige Hürden zu überwinden: Steinholz ist stark saugfähig. Öl mit viel Lösemittelanteil dringt zwar tief ein und feuert die Farbe an, sobald sich das Lösemittel verflüchtigt hat, werden die Farben aber wieder heller. Es muss also ein lösemittelfreies Öl sein, das dennoch anfeuernd wirkt.

Die verlegefertigen Madwood-Steinholzfliesen, das Madwood-Steinholzparkett und die vor Ort gegossenen Böden werden jetzt mit gutem Ergebnis mit einer Grundimprägnierung ausgerüstet. Das Ziel ist ein spezielles Madwood-Steinholzöl für Grundierung und Finish.

aus ParkettMagazin 05/04 (Sortiment)